Noch etwas einsamer – noch etwas heisser: Boron – Ridgecrest

Mit dem Sonnenaufgang beginnen wir unseren zweiten Tag in der Mojave. Mit den ersten Sonnenstrahlen radeln wir aus Boron hinaus. Auf den ersten 10 km bis zur Kramer Jct.überholt uns ein Güterzug  – einer kommt entgegen, beide unendlich lang. Damit ist das Vorurteil vom maroden US-Bahnsystem korrigiert. Zurück auf dem Hwy 395 wird es zunächst einsam. Es hat sehr wenig Verkehr, ok es ist sehr früher Sonntag Morgen. Gegen 10 Uhr erreichen wir Red Mountain. Es scheint, als hätten sich hier alle Messies von Kalifornien niedergelassen. Um die meisten Häuser herrscht ein Zustand zwischen Durcheinander und Abfallhalde. Nicht nur der Silver Dollar Saloon hat seine besten Zeiten augenscheinlich schon Jahre hinter sich, wenn es diese besseren Zeiten hier denn überhaupt je gab. Es gibt weder ein Restaurant, noch einen Laden oder eine Tankstelle. Etwas besser schaut Johannesburg einige Meilen weiter aus. Auch hier fragen wir uns, was die Leute tun und wovon sie leben. Irgendwo haben wir etwas von Bergbau gelesen – darauf deutet auch der Laden mit dem „Mining Supply“ hin. Sieht so „Gold Rush“ aus? Anyway: Nach zwei Flaschen Powerade nehmen wir die Abfahrt und den anschliessenden Aufstieg unter die Räder. Im Aufstieg spüren wir, wie sich die „high nineties“ aus dem Wetterbericht in der Wüste praktisch anfühlen.

Hesperia – Boron

Nun ist es also soweit: Der Adler hat unsere Velos auf den Asphalt der US Route 395 gestellt. Kurz nach Sonnenaufgang Pedalen wir los gegen Norden. Die Teperatur ist angenehm. Die Aussenquartiere von Victorville scheinen nagelneu und steril und wir fragen uns, wer denn her mitten in der Wüste in einem dieser reihenweisen Einfamilienhäuser wohnt. Etwas weiter macht die Siedlung einen deutlich ärmlicheren Eindruck. Mit den vielen im Wind flatternden Knistesäcken in den Zäunen erinnert die Szenerie entfernt an Albanien. Und dann ist für 50 km nichts mehr als Wüste rundherum. Den einzigen Schatten für eine Rast gibt kurz vor 8 an der Abzweigung nach Helendale eine grosse Werbetafel. Die nächste „Attraktion“ ist die Kramer Junction mit ihren Geschenkboutiquen (nebst mehreren Tankstellen und Restaurants). Um halb zwölf sind wir am Ziel. Mittlerweile hat es gegen 40 Grad: Siestatime!