Černé Údoli – Waidhofen an der Thaya: Berührende Mahnmale

Weiter gehts es durch den tschechischen Auen-Urwald. Wir folgen mehr oder weniger dem EuroVelo13, dem “Iron curtain trail”, der hier verschiedene Varianten hat. Eine führt durch Weitra, wo seit über 700 Jahren Bier gebraut wird. Der Fernradweg ist gesäumt von Mahnmalen an die Zeit der Trennung durch Stacheldrahtverhaue. Aber auch von Zeugen der grenzüberschreitenden Versöhnung. Das sind berührende Farbtupfer in einem Streifen Europa, in dem die totalitären Regimes so tiefe Wunden geschlagen haben, dass die Narben wohl immer sichtbar bleiben.

Kurz nach Schweiggers und nachdem wir die mitteleuropäisch Wasserscheide (wieder) überquert haben, treffen wir auf das kleine Bächlein namens Thaya. Kaum zu glauben, dass daraus ein 250 km langer Fluss wird, der uns die nächsten Tage den Weg weisen wird.

Hauptplatz in Weitra

Linz – Černé Údoli: Punktlandung

Wie wir unsere bepackten Velos schon kurz nach Linz langsam den steilen Haselbachgraben hochstossen, ist unser Blick noch immer von den Hochwässern der letzten Tage in Nordwestdeutschland geprägt. Dem jetzt recht bescheiden durch die kleinen Weiler gurgelnden Bächlein werden kurz vor der Passhöhe recht imposante Rückhaltebauwerke gewidmet. Hoffentlich werden die nie auf eine Bewährungsprobe gestellt.

Oben angekommen geht’s weiter durch eine abwechslungsreiche Hochebene. Die Abfahrten an die Bäche und die Wiederanstiege erinnern in ihrer Anlage in der Falllinie ein wenig an England… und je näher wir der Tschechischen Grenze kommen, umso dünner besiedelt kommt uns die Gegend vor. Nach Überquerung des Grenzbachs ist dann allerdings kilometerweit “goa nix mehr” – außer einem nigelnagel-neu geteerten Radweg durch einen riesigen Auenwald (vermutlich die frühere Sperrzone entlang des Eisernen Vorhangs). Ab und zu kommt noch eine halb zerfallene Grenzwächterkaserne (gut erkennbares Einheitsmodell, bekannt von früheren Reisen). Unsere Radreisenden-Idylle wird dann doch noch durch ein ungutes Pöpperlen im Blätterdach gestört. Die Buchen sind so dicht, dass wir trocken bleiben. Das richtige Gewitter legt exakt dann los, als wir die Velos unter dem Vordach des heutigen Gasthauses parkiert haben. Eine absolute Punktlandung! Dann gießt es Eine Viertelstunde lang wie aus Badewannen.

Weites Land Oberösterreich

Grenzerfahrungen: Wels – Graz

Auch heuer haben wir uns mit der Tourenplanung schwer getan. In welchem Land gelten welche Vorschriften bezüglich COVID-Zertifikat? Wo ist die Bewegungsfreiheit wie eingeschränkt? Zuerst wollten wir nach Frankreich, doch dann hat sich der Osten durchgesetzt. Doch fahren wir so nicht dem Unwettertief “Bernd” hinterher? Folgen wir so den Unwettern? Ja, denn als Erstes wird unser Zug umgeleitet. Statt in Innsbruck umzusteigen können wir fast bis an den diesjährigen Ausgangspunkt der Veloreise sitzen bleiben. Bei trübstem Himmel schwingen wir uns in Wels auf die bepackten Velos und sind nach wenigen Radumdrehungen den Traun-Radweg. Er führt uns vorbei an auch am Nachmittag noch verschlafenen Spaziergänger:innen (haben wohl alle mit einem Dauerregen-Sonntag gerechnet…) und rauschenden Kraftwerken nach Linz. Zwischendurch gabs dann auch noch eine kurze Dusche aus einer Schauerwolke. Wo wir am Ende der zweiwöchigen Tour wieder in den Zug einsteigen wissen wir noch nicht. Ebensowenig, welche Route wir ab übermorgen abkurbeln werden…

Schäumendes Flusskraftwerk an der Traun