Auf legendären Routen

Zur Zeit gibt es eine Serie von Dokumentarfilmen mit dem Titel „Auf legendären Routen“ zu sehen auf srf.ch > Sendungen > Dok.

Zu empfehlen beispielsweise USA: Highway 50!

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Oder der Oregon-Trail

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Aus den einsamen Wäldern zurück in die Stadt: Christina Lake – Chewelah – Spokane

Song of the Day (Steve Earle & Emmilou Harris, Goodbye)
Nun, im Vergleich zur Oregon High Desert oder den Blue Mountains vor einigen Wochen war die Gegend um den Christina Lake so einsam nicht. Aber im Vergleich zu Spokane – nebst Reno der einzigen wirklich grossen Stad entlang unserer Reise – war es dort richtig beschaulich und ruhig. Eigentlich liegen 200 km zum Angewöhnen dazwischen. Doch mittlerweile scheint das für uns schon zu wenig Distanz…

Am Christina Lake haben wir während zwei Tagen im Camp Beverly Hills in einer Cabin die Beine hochgelagert, den warmen Badesee (es soll – im Sommer – der wärmste See von ganz Kanada sein – noch so ein Höhepunkt am Hwy 395) genossen und uns endlich einmal am allabendlichen barbecuen beteiligt. Und wir haben Elisabeth und Armin kennengelernt, zwei Schweizer, die mit ihrem Wohnmobil seit über einem Jahr von Feuerland bis Alaska unterwegs sind. Mit all den Erzählungen war der Abend im Nu vorbei! Am anderen Morgen sind wir bei dem bei Velofahrern nur bedingt beliebten romantischen Pöpperlen aufs Dach aufgewacht und haben beschlossen, noch einen Tag hier zu bleiben statt uns im semi-ariden Westen noch einmal abschiffen zu lassen. Soviele Regentage im Sommer in dieser Gegend sind sicher eine Seltenheit.

Bei frischen knapp 20 Grad sind wir dann am Samstag wieder nach Süden losgeradelt. Auf dem 395er bis Kettle Falls war wieder kaum Verkehr, und wenn dann Ausflügler mit ihren Booten, Schlauchringen und was man sonst braucht für ein gemütliches Wochenende an einem schönen Fluss. In Kettle Falls haben wir dann gesehen, was „Farmer’s Market“ hier heisst: 4 Stände mit je einigen wenigen Dingen zum Verkaufen. Er hat uns ein wenig an Pirot in Südserbien erinnert, wo einige Rentner wohl alle ihre 10 Erzeugnisse aus den Gärten feil boten.

Südlich von Kettle Falls wird das Tal weiter und erinnert ein wenig ans Entlebuch (in XXL Ausgabe, ohne stattliche Bauernhäuser, aber wo immer möglich irgendwelchen Blumen in den Gärten und auf den Veranden). Spätestens nach Chewelah, wo wir nochmals einen Uebernachtungsstopp einlegten, wird spürbar, dass wir uns Spokane mit gut 200’000 Einwohnern nähern. Die Siedlungen werden zahlreicher und grösser, ebenso der Trubel an den Badeseen und der Verkehr nimmt zu. Bald ist der 395er wieder ein richtungsweisender 4-spuriger Freeway. Doch auch hier hat er ein altes Trassee in Form einer Nebenstrasse durch ein lauschiges kleines Tal. Von den ersten Einfamilienhaussiedlungen bis ins Stadtzentrum sind es dann noch einmal gute 10 Klilometer. Dort erwartet uns am Fluss ein ausgedehnter Park, in dem 1974 die Weltausstellung stattfand. Spokane ist die kleinste Stadt, in der je eine Expo durchgeführt wurde. Darauf scheinen die Leute richtig stolz zu sein. Der Park ist gut besucht und noch immer kurvt die für die Expo gebaute Seilbahn am Rand der Innenstadt und über die Wasserfälle (etwas kleiner als der Rheinfall). Und in den Restaurants hat es auf der Speiskarte wieder etwas mehr als Burger und Double-Burger. Ein beschaulicher Ort, um unsere Reise ausklingen zu lassen und definitiv vom Hwy 395 Abschied zu nehmen. Er ist in den letzten zwei Monaten Teil von uns geworden, hat uns die Richtung gewiesen und festen Grund unter den Reifen um eine der schönsten Gegenden der Welt stets mit der Nase im Wind zu erleben.

Geschafft! – Kettle Falls, Wash. (USA) – Lake Christina, BC (CAN)

Song of the Day (J.B. Beverly, End of the Road)

Gestern haben wir nach 2875 km, 18500 Höhenmeter und 48 Tagen (davon an 40 Tagen total 180 Stunden im Sattel) das nördliche Ende des Hwy 395 erreicht. Der letzte Abschnitt war wie vielfach vor einem Grenzübergang: Kaum Siedlungen und noch weniger Verkehr. Auf den letzten 15 km sind uns kaum ein halbes Dutzend Autos oder Lastwagen begegnet. So hatten wir den Hwy 395 noch einmal fast für uns allein. Sein nördliches Ende ist so unspektakulär wie der Beginn im Süden: Keine Ankündigung wie „Here ends the three Flags Highway – Welcome to Canada“. Auch in die südliche Richtung herrscht dieselbe Nüchternheit – nichts von „You enter Hwy 395 – Drive safely to Mexico“ oder irgendeine Distanzangabe wie „San Diego 1510 mi“. Sonst nutzen doch die Amis jede Gelegenheit, um irgendetwas pompös anzukündigen. Aber hier haben sie wirklich massiv Nachholbedarf. Immerhin ist der ca. 4 km lange Abschnitt des 395 auf kanadischer Seite proper gekennzeichnet:


Wir haben eine Strasse vom Anfang bis zum Ende er-radelt und viele Dinge gesehen und erlebt, die bisher nur eine Sehnsucht aufgrund der Landkarte waren. Und wir haben unzählige Dinge erlebt und gesehen, die auf keiner Landkarte, in keinem Buch und auf keiner Internetseite verzeichnet sind. Manches hätte einen zweiten oder dritten Blick verdient. So hat die „Landkarte der Sehnsuchtspunkte“ ganz viele neue Einträge erhalten. Die Strasse ist zwar am Ende aber nicht fertig. Und wir haben vieles hinter uns gelassen, das wir dankbar bei einem der vielen mileposts abgelegt haben und dort besser aufgehoben ist als in unseren Leben. Die schlauen Coyotes werden über diese Dinge sicher noch einige Male jaulen und dann werden sie im endlosen Meer des Sagebrush aufgehen.

Doch das wirklich Schöne an einer Landstrasse wie dem Hwy 395 ist, dass sie einmalig ist und am Ende in eine andere Strasse einmündet. Einbiegen, weiterradeln und das Abenteuer geht weiter! 

Don’t cry because it is over – Smile because it happend.

Auf der ganzen Reise hat uns die Webseite von Cameron Kaiser als eine Art Reiseführer begleitet. Als Kind ist er mit den Eltern jeweils auf dem Hwy 395 in die Ferien gefahren und noch heute benutzt er diesen Highway als täglichen Arbeitsweg. Eines Tags hat er beschlossen, den 395er einmal bis zum Ende zu fahren und fotografisch zu dokumentieren. Als er am Ziel war, hat er ein kleines Gedicht geschrieben.

Die grossen Fluten der Eiszeiten: Lyons Ferry – Sprague – Davenport

Song of the Day (Luke Bryant, Harvest Time)

Der Eisschild, der während der letzten Eiszeit einen grossen Teil von Nordamerika bedeckte (Kordilleren Eisschild), ging in die Vereisung der Rocky Mountains über und versperrte dem Schmelzwasser der südlichen Rockys den Abfluss, wodurch sich riesige Inlandseen bildeten. Der grösste dieser Seen war der Missoula See (heutiges Montana). Da die Dichte von Eis geringer ist, als die Dichte von Wasser (Dichteanomalie von Wasser:  Wasser erreicht bei Normaldruck mit 3.98 Grad Celsius die höchste Dichte), schwimmt das Eis auf dem Wasser, respektive der Eisdamm, der das Wasser zurück hält beginnt zu schwimmen, sobald der Wasserstand 9/10 der Höhe des Eisdamms erreicht hat. Dieser Vorgang tritt nicht ein, wenn der Eisdamm am Untergrund festgefroren ist.

Gewaltige Wassermassen wurden mit einem Schlag freigesetzt, als der Eisdamm zu Schwimmen begann. Davon zeugt die bizarre Landschaft, die wir hier antreffen. Sie ist von tiefen Furchen durchzogen. Schluchten und Canyons aus nacktem Fels zeugen von einer Katastrophe, die sich zum Ende der letzten Eiszeit, vor etwa 16.000 Tausend Jahren, zugetragen hat – eine Megaflut überrollte weite Teile des Nordwesten der USA.

Die Flut riss alles mit sich und verwüstete innert weniger Stunden das gesamte Land bis zum Pazifik, wo die Ablagerungen bis 2000 km von der Küste die Kraft des Ereignisses untermauern. Nach der Flut blieb weitgegend nackter Fels, der gesamte Boden und die Lebewesen wurden weggespült. Bis sich der See wieder füllte und seinen Eisdamm wieder anhob, bis zu 40 mal am Ende der letzten Eiszeit.

Durch diese Landschaft radeln wir seit vier Tagen. Vom Durchbruch des Columbia Rivers am Wallula Gap und den Wasserfällen (Palouse Falls) haben wir schon berichtet. Prägend sind zudem die fruchtbaren Lösshügel mit ihren endlos erscheinenden Getreidefeldern. Und die vielen Wellen im Gelände, tiefen Furchen der Canyons und die fehlende Struktur von Flussläufen, denen man folgen könnte um zuviel Höhendifferenz zu vermeiden.

Heute wurden wir zusätzlich von einem stürmischen Gegenwind ausgebremst. Er führte dazu, dass wir in Davenport im Motel Black Bear Unterschlupf suchten und wiedereinmal von einem unglaublich liebvoll gestalteten, einfachen Motel überrascht werden.

Ankunft im Black Bear in Davenport WA

Check-in ist geschafft

Es war ein langer Tag und nicht alles ging so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Aber schliesslich waren die Velos so zerlegt, dass sie in den Schachteln Platz fanden, die sensiblen Teile waren gepolstert, für alles ein Platz in einem der Gespäckstücke gefunden. Also los zum Flughafen: Veloschachtel 1 im Auto verstaut, Veloschachtel 2 oben drauf – der Kombi ist bis unters Dach voll. Jetz noch zwei Personen und zwei Gespäckstücke… Wir lösten das so, dass wir eine erste Fahrt mit den Velos machten und dann den Rest holten – man wohnt ja in der Nähe.

Eine Veloschachtel mit einem Gepäckwagen am Flughafen herum schieben ist ganz schön lustig. Man ist so breit, dass die Leute erschrecken, die einem entgegen kommen.

Und der Trick mit dem Mobility Auto ist hervorragend. Der Mobility Standplatz ist direkt nebem dem Check-In drei. Man muss nur ein paar Schritte gehen und hat einen gratis Parkplatz!