Auf dem Donau-Damm von Novi Sad nach Apatin

Fragt man Google nach dem kürzesten Weg von Novi Sad nach Apatin bekommt man die Antwort 98 Kilometer. Auf dem Donauradweg sind es 170 Kilometer. Ein grosser Teil davon auf unbefestigten Pfaden. Bei angekündigten 30 Grad, jeweils ab 10 Uhr. Bei angekündigtem Wind, aus Nordwesten. Die Bedingungen sind nicht gerade ideal für unser Vorhaben, akribische Planung ist angesagt. Wir prüfen die Route, suchen Alternativen, versuchen abzuschätzen wieviele Kilometer auf unbefestigten Strassen verlaufen. Suchen verzweifelt (!) Unterkünfte in vernünftigen Distanzen. Und wenn man unterwegs ist, kann man es nur noch nehmen wies ist. Das ist gut. Manchmal dauert es etwas länger als erwartet, manchmal geht es einfach.

Von der Ausfahrt aus Novi Sad könnten alle CH-Verkehrsplaner ungeniert lernen. So geht das:

Raus aus Novi Sad

Nach wenigen Kilometern sind wir auf dem Donauradweg, super ausgebaut, super gekennzeichnet. Es bleiben keine Wünsche offen. Wir kommen voran und erreichen Bačka Palanka und den Grenzübergang nach Ilok, Kroatien. Wir bleiben in Serbien und fahren weiter, es wird einsamer. In einem Restaurant trinken wir Limunada und beobachten Rallenreiher. Ein kanadischer Velofahrer ist unterwegs nach Istanbul.

Noch zwei Dörfer, dann sollte die Abzweigung zum abgelegenen Hotel an einem Badesee kommen. Es ist heiss, staubig, windig und anstrengend. Wir trinken kühle Getränke und essen Glacé. Irgendwann kommt dann die lange ersehnte Tafel an einer Abzweigung und wir nehmen Kurs auf die letzten Meter, hoffentlich. Am See mit Sandstrand hat es viele Badende, es sind sehr viele Autos geparkt und das Hotel sieht eher klein aus. Die Hoffnung auf ein freies Zimmer schwindet. Doch wir haben Glück und bekommen ein wunderbares Zimmer, können duschen und uns für den kommenden Tag erholen.

Nachtspaziergang um den Badesee mit Blick auf das Hotel (Bački Dvor, Jezero Provala)

Am nächsten Morgen gibt es ein frühes Müesli-Frühstück auf der Hotelterrasse. Dann nehmen wir direkt Kurs auf den Donauradweg. Auf einer Sandpiste legen wir die ersten Kilometer zurück. Ein Haselhuhn flüchtet, der Pirol singt. Nach rund 10 Kilometern treffen wir zwei bepackte Radfahrer aus Spanien. Sie wollen ins Donaudelta.

Nach 40 einsamen Kilometern haben wir vier Fahrzeuge, ein Pferdefuhrwerk und fünf Radfahrer getroffen, abgesehen vom Grenzübergang nach Kroatien, dort warteten ein paar Lastwagen. Eine Wildschwein Rotte quert den Damm und einige Sauen suhlen sich ausgiebig im Schlamm. Ich bin zu fasziniert um ein Foto zu machen. Zur Mittagspause durchqueren wir den breiten Auenwald bis zum Ufer der Donau vis-à-vis von der Draumündung. 2014 sind wir auf der kroatischen Seite gefahren und sind der Drau bis ins Quellgebiet im Toblacherfeld (Südtirol) gefolgt.

Donau mit Blick Richtung Mündung der Drau

Auch heute ist es wieder heiss, staubig, windig und streng. Wir erreichen Apatin, die Brauereistadt und Heimat des Jelen Pivo, anfangs Nachmittag. Den ganzen Tag gab es kein Dorf, keinen Laden, kein Restaurant; nur einsame Stunden auf dem Damm. Deshalb gibt es jetzt zuerst ein Glacé und ein kaltes Getränk. Dann finden wir ein wunderbares Hotel.

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