Die sanften Hügel werden zur Bergetappe: Pasco – Lyons Ferry

Song of the Day (Van Morrison, Rolling Hills)

Pasco strahlt ein südländisches Flair aus, das wir im nördlichsten US-Bundesstaat unserer Reise entlang des Hwy395 so nicht erwartet haben. Das liegt sicher daran, dass im Stadtzentrum fast alle Geschäfte spanisch beschriftet sind, überall spanisch gesprochen wird und aus allen Lautsprechern schon um halb acht in der Früh mexikanische Mariachi Musik ertönt. Sind die Aufräumarbeiter auf dem Atomwaffengelände mehrheitlich Einwanderer aus Mittelamerika?

Unser Plan ist, den einige Meilen ausserhalb von Pasco beginnenden „Columbia Plateau Trail“ zu nehmen. Es st ein u.a. als Veloweg auf altem Bahntrasse angepriesener State Park. Die ersten und letzten je ca 20 Meilen (von insgesamt ca. 130) sollen bereits ausgebaut sein. Wir finden das Trasse tatsächlich unten am Snake River in wunderschönen Basalt und Löss-Steilwänden. Nach ca 10 km geben wir aber das Vorhaben auf – zu grob sind die Steine auf diesem „Veloweg“ – und kehren nach extrem steilem Aufstieg wieder auf die Hauptstrasse zurück.

auf dem ehemaligen Bahntrassee – mit befahrbarer Unterlage
Wir sind uns ja bezüglich Abgeschiedenheit und Einsamkeit und Distanzen zwischen zwei Orten mittlerweile Einiges gewohnt, aber diese Etappe lehrt uns nochmals wie gross und verlassen des Westen sein kann, auch wenn die Landkarte einen etwas anderen Eindruck erweckt. 55 km nach Pasco kommen wir (abgesehen von ca. Einem Dutzen Farmen/Ranches) zu einem einsamen Schulhäusch oben auf einem Hügel. Daneben hat es noch eine Garage mit 3 Toren, wohl für die Schulbusse und eine Tankstelle, wohl auch für die Schulbusse. Und die Strasse ist gesäumt von Warntafel und -leuchten. Ein ganz schöner Aufwand für das ca Dutzend Schüler, die hier Platz haben und die 2 Autos pro Stunde, die hier vorbeikommen. Dann bei km 87.5 das erste Dorf, in dem wir nach einigem Suchen das Restaurant „Farmers Daughter“ finden. Wir haben mittlerweile ordentlich Durst und die Wirtin stellt uns grosszügig Eistee hin. Ausser uns kommt noch eine Frau vorbei zum Händewaschen (sonst hat sie nichts konsumiert). Das Dorf scheint ansonsten ausgestorben und zeigt erste Züge einer ghost town. Weiter geht es durch die sanft gewellte Hügellandschaft – die absolvierten Höhenmeter haben sich mittlerweile zu einer veritablen Bergetappe summiert. Vom Tagesziel Lyons Ferry am Snake River ist auch 20 km später noch weit und breit nichts zu sehen, dafür kommt noch eine Abfahrt in einen Canyon und der entsprechende Gegenanstieg… Endlich, bei km 125, nach siebeneinhalb Stunden im Sattel und zwei Platten kommen wir an den Snake River und auf der gegenüberliegenden Seite der eindrücklichen Brücke an den lange ersehnten Campingplatz. Der ist wirklich die einzige Uebernachtungsgelegenheit im Umkreis von über 100 km! Gleich nebenan ist die Joso-Bridge, die 1914 bei der Einweihung die höchste und längste Eisenbahnbrücke der Welt war. In 24 Stunden haben wir aber erst zwei Züge gesehen.

Hügel – Canyon – Hügel…

Auch wenn der Campingplatz und der angeschlossene Bootshafen eine minimale Geschäftigkeit ausstrahlen und sogar eine zweite Strassenbrücke über den Snake River in Sichtweite liegen – auch diese Region scheint weitgehend menschenleer. Auf dem Brückengestell nistet ein Paar Fischadler, im State Park treffen wir neben der Reinigungsfrau zwei menschliche Badende und etwa ein Dutzend Gänse. Die wirkliche Sehenswürdigkeit, die Palouse Falls (ein Wasserfall von 60 m Höhe – das letzte, was man in dieser Gegend erwarten würde), lassen wir angesichts der Distanzen und Höhenmeter bleiben und geniessen das kühle Bier im Schatten der Cottonwoods… Die gestrige Etappe hat uns wieder einmal vor Augen geführt, wie gross oder klein unser Aktionsradius ist, wenn wir mit eigener Muskelkraft unterwegs sind.

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