Fields hat ‚offiziell‘ 7 Einwohner. Unser heutiges Ziel Frenchglen soll 11 haben. Wenn wir also alle Einwohner Innen der zwei 80 km auseinanderliegenden Siedlungen gesehen hätten, wären es keine 20 gewesen. Da hat es ja bei uns auf dem Weg zur Tramhaltestelle mehr Einwohner…. Zwischen Fields und Frenchglen liegen gut 80 km wunderbare Wüstenlandschaft, etwa zwei Ranches sowie die Roaring Spring Ranch (sie kann es von der Anzahl Gebäude her locker mit einer der beiden Siedliungen aufnehmen und der Lärm war dort am grössten: Ein Jugendlicher musste uns über Mittag unbedingt seine Fahrkünste auf dem Motocrosstöff vorführen. Ausserdem hat die Ranch einen eigenen Flugplatz mit geteerter Piste und Hangar). Wir radeln durchs Catlow-Valley entlang dem Westabhang des Steens Mountain (3300 müM). Auf dem Weg sind wir ca. 3 Dutzend Autos, einem halben Dutzend Bächen, einigen hundert Kühen (gut betreut von einigen Riesenbullen), etwas weniger Pferden und ab und zu einem grösseren Wildtier begegnet. Die Hasen (die überfahrenen am Strassenrand und die davonspringenden) und alles Kleinere zählen wir nicht. Und trotzdem fühlen wir uns überhaupt nicht einsam oder verlassen hier. Es hat genauso viele Dinge rundherum, wie man erschauen mag. Meint man. Denn selbst hinter den Sträuchern verbergen sich nochmals viele kleinere schöne Dinge, wie die blaue Wildtulpe, neben der wir die Znüniguetzli genossen haben, die roten ‚Indian Paint brush‘ Blumen und und und. Überhaupt schärfen die letzten Tage die Bedeutung von ‚Wüste‘. Schon gestern ist uns der relative Wasserreichtum aufgefallen. Aus den Bergen sprudeln kühle Bäche und es muss reichhaltig Grundwasser zur Bewässerung geben. So liegen saftiggrüne Wiesen unmittelbar neben der trocken scheinenden Buschlandschaft. An den Bächen wachsen Weiden, Pappeln und Erlen – manchmal schon hoch oben in den Bergen – in deren Schatten die Ranches stehen. Das sind dann richtig idyllische Oasen. Sobald es etwas mehr Wasser hat, gibt es richtige Feuchtgebiete mit mehr als mannshohen Binsen und Röhricht. In ein solches Feuchtgebiet sind wir heute hineingefahren – das Malheur Wildlife Refugte im Donner-and-Blitzen Vealley. Die harsche Seite dieser Gegend haben wir auch erlebt. Zum Beispiel als letzte Nacht plötzlich ein unheimlicher Sturm losging, der bis in die frühen Morgenstunden andauerte und wir schon dachten, wir müssten wegen des Gegenwinds die Weiterfahrt um einen Tag verschieben. Und es ist auch hier heiss. Ab Mittag wird es anstrengend, vor allem wenn kilometerweit kein Schatten kommt.
Autor: roadfox1
Teure Edelsteine und 17 Sorten Arbeitshandschuhe: Plush
Plush besteht aus einer ganz kleinen Schule (zusammen mit jenen des 30 km entfernten Nachbardorfs sollen es 12 Schüler sein), einer Kirche, etwa zwei Dutzend Behausungen und als Zentrum dem Ladensaloonpostofficetankstelle. Plush hat es uns angetan. Es gibt leidlich gutes Essen (die Burger sind jedenfalls um Grössenordnungen besser als beim MacDonalds) und der Laden hat ein ziemlich grosses Sortiment, das weit über die üblichen Lebensmittel hinaus geht. Ungewöhnlich ist das grosse Angebot an Schmuck, der in einer kleinen Auslage a la Bahnhofstrasse Zürich dargeboten wird. Das Rätsel, was eine teure Schmuckboutique in diesem abgelegenen Ort soll, löst sich am Folgetag. Wir haben in Plush einen Ruhetag vorgesehen und unser Zelt bei der Hart Mountain Cabin aufgeschlagen. Ein cooler Ort als Basislager zum Erkunden der wilden Umgebung – mit Wildlife-Besuch am Zelt garantiert. Eindrücklich ist das Licht- und Schattenspiel beim Sonnenuntergang in der über 1000 Meter hohen Steilflanke des Hart Mountain. Wunderbar ist die Gastfreundschaft von Barbara und Allan, die ihre Unterkunft (die einzige im Umreis von mehr als 50 Meilen) stärker auch noch Bikern zur Verfügung stellen wollen. Faszinierend ist die Vielfalt an „Wild“tieren, die uns am Zelt besuchen: Verschiedenste Vögel, drei verschiedene Hasenarten, verschiedene Eich- und andere Hörnchen.
Am Sonntag machen wir uns auf zum Vogelbeobachten an den Hart Lake. Obwohl er ziemlich ausgetrocknet erscheint, wimmelt es von Läufern, Piepern, Enten und anderem Schnattergetier. Bei den Infotafeln erfahren wir auch, dass es ganz in der Nähe (ca 50 km nördlich 🙂 ) ein grosses Vorkommen an ‚Sunstones‘ in Edelsteinqualität gibt, das erst seit etwa 30 Jahren genutzt wird. Damit ist das Rätsel der Schmuckauslage im Store aufgelöst. Und wahrscheinliche werden die zahlreichen Arbeitshandschuhe zum Herausarbeiten der Edelsteine benötigt. Vielleicht sind wir beim nächsten Besuch in Plush auch bei den Kunden für dieses Arbeitsgerät….
Where the West still lives – Cattle und Wildlife: Lakeview – Plush
Gut gerüstet mit fotokopierten Karten und zahlreichen Ratschlägen einer mitteilsamen Lady, die in Lakeview offensichtlich für mehrere Läden zuständig ist, treten wir bei wiederum frischer Luft in die Pedalen. Der dichte Wald, der die Strasse bis zur Warner Canyon Ski Area säumt, dürfte wohl der letzte für die nächsten paar Tage sein. Wir fahren auf dem Highway 140, der auch „Winnemucca to the sea Highway“ genannt wird. Angesichts der trockenen Wüste ein verständlicher Name – die Luftspiegelungen befeuern die Fantasien nach Sandstränden am Pazifik … Wir allerdings sind in die entgegengesetzte Richtung unterwegs und freuen uns daran, dass wir alles zu sehen kriegen, was auf den Tafeln beim Visitor Center in Lakeview angekündigt wird. Nach einigen km Abfahrt vom Warner Pass steht eine Herde schwarzer Kühe und Rinder getrieben von drei Buckaroos auf dem Highway. Der entgegenkommende Lastwagen sorgt für zusätzliche Stimmung, was die Rindviecher mit lautem Gebrüll untermalen. Natürlich halten die Buckaroos nichts von unserem Angebot für den Rest die Pferde zu tauschen. Später im Saloon von Plush prosten Sie uns respektvoll zu – ich glaube nicht, dass sie den ganzen Weg geritten sind. Zu verdächtig standen da noch Viehtransporter herum…. Etliche km später auf der langen Abfahrt auf der unendlich scheinenden Hochebebe vor Plush tanzt eine Herde Pronghorns auf der Strasse. Offensichtlich können Sie uns Velofahrer nicht in ihr Freund-Feind-Schema einordnen. Jedenfalls scheinen sie hin- und hergerissen zwischen Fliehen und neugierigem Schauen.



Vom altehrwürdigen Hotel Niles zum Old Perpetual: Alturas CA – Lakeview OR
Als wir die Velos vor dem altehrwürdigen Hotel Niles bepacken ist es vielleicht nicht die im Wetterbericht angekündigten 3 Grad (über Null!) kalt, aber jedenfalls nicht viel darüber. In schattigen Abschnitten gibt es rasch klamme Finger und die warme Kleidung bleibt bis weit über Kilometer 35 an. Den Znüni nehmen wir im „Grocery-Post Office-Café-etc.“ in Davis Creek. Der Ort wird auf einer Warntafel gross als „congested area“ angekündigt. Offenbar veranstalten die 53 Einwohner mit ihren Autos hier ab un zu einen Verkersstau…. Der Znüni kommt allerdings aus dem Gestell, denn der Koch ist um gut 9 Uhr noch nicht eingetroffen. Auch der sonst in rauen Mengen aufgetischte Kaffe wird erst auf unsere Bestellung hin aufgebrüht – und gelingt prompt nicht ganz: ist eher ein bräunlich gefärbtes Wasser…. Die Fahrt geht weiter entlang des weitgehend ausgetrockneten Goose Lake. Das Wasser geht in saftige Weiden und Felder auf denen in regelmässigen Abständen stattliche Ranches stehen, statt in den See. Abwechslung bieten der Ort New Pine Creek direkt auf der Grenze zwischen Kalifornien und Oregon, der zum grösseren Teil aus Brockenhäuser zu bestehen scheint und ein Sheriff aus dem Lake County, der sich beim Kontrollieren der nach Oregon eingeführten Wasserfahrzeuge langweilt und die Wartezeit mit einem Schwatz überbrückt. Bei der Einfahrt nach Lakeview hat man zunächst überhaupt nicht den Eindruck, in einen County-Hauptort einzufahren – fast unendlich reihen sich die Einfamiliehäuser entlang dem Highway 395, bis endlich das Zentrum erscheint. Und wenn man nicht ganz gut schaut, dann ist man auch gleich wieder draussen…, wo wir auch unser Motel bei den Hunter’s Hot Springs nach dem Verscheuchen einer grösseren Gänseschaar erreichen. Gleich nebenan befindet sich der Geysir Old Perpetual, der alle 60′ eine etwa 15 m hohe Wasserfontäne in die Höhe pustet. Eindrücklich, ebenso wie das unendlich scheinende Feuchtgebiet rundherum wo sich allerlei Gänse, Enten und anderen Wasservögel im warmen Wasser baden und dabei vergnügt in allen Tonlagen und Lautstärken schnattern und piepsen (und auf angenehme Weise den Strassenlärm übertönen).
Und wieder geniessen wir nach dem Pedalen einen Pool mit heissem Wasser, diesmal für uns alleine. So heiss! Und so schön!
Ein Halleluja für zwei Velofahrer und andere Kuriositäten: Reno – Milford (Honey Lake)
Eigentlich beginnt dieser Tag wie einige vorher schon: Kaum aus der Stadt Reno draussen geht’s obsi. Der Hwy 395 ist in Reno unter dem Namen Virginia Road eine der beiden Hauptverkehrsachsen, so man den paar Autos denn Verkehr sagen will… Eine der grossen Kreuzungen ist mit der US Route 40, des ersten transkontinentalen Highways, der 1926 eingeweiht wurde. Zu diesem Anlass haben die Reno-er ihren ersten Triumphbogen aufgestellt und den noch heute gebräuchlichen Slogan geschaffen: „The biggest little City in the would“. Dank dieses einfach gestrickten Verkehrskoordinatensystems ist auch die Ausfahrt aus Reno einfach, eben abgesehen von den Hügeln – wir sind ja immer noch im „Basin and Range“ (was wir nach der langen Abfahrt dem Truckee River entlang schon fast vergessen hätten). Nur drei Dinge sind heute etwas anders: Erstens sind die Hügel kleiner dafür zahlreicher, was am Ende gleich müde Beine macht. Zweitens sind die auf der Karte angekündigten Seen alle ausgetrocknete Sandebenen oder Wiesen. Die Bäche vertrocknen also, bevor sie ihr Ziel erreichen. Und drittens hat es heute allerlei Kurioses am Wegesrand. Das beginnt bei den Ortsnamen. Da haben die Nevadanier (wir haben noch nicht herausgefunden, wie sich die Einwohner dieses Lanstrichs selber bezeichnen) ein ausgeprochenes Faible für Naheliegendes. Schon am Lake Tahoe haben wir uns darüber gewundert, dass man ein Dorf an der Grenze einfach schnurz „Stateline“ taufen kann. Die letzte Siedlung heute vor der CA-Grenze heisst Bordertown. Und nicht lange darauf (allerdings in CA) kommen wir an die Halleluja Junction. Religiöse Einrichtungen haben wir ausser der Tankstelle, wo die Auto- und Lastwagenfahrer den Benzingöttern ihre Opfer darbringen keine wahrgenommen. Oder wir haben nicht gecheckt, wie das mit den Gottheiten hier läuft. Denn nur wenige Meilen weiter kamen wir an den „Baum der Schuhe“, über dessen Bedeutung auch Einheimische nicht Auskunft geben konnten. Der Rest der heutigen Etappe bestand aus einem Glace, das mehrere Auftau-Wiedereinfrierzyklen hinter sich hatte in einem Ort namens Doyle (das wie das Glace seine besten Tage deutlich hinter sich hat), einem Platten an der Strasse zum Gefängnisort Herlong und der Ankunft am Campingplatz Honey Lake in Milford mit dem Auftritt einer/s gut gealterten Transvestiten mit etlichen Promillen in den Adern (wenn da überhaupt noch Blut vorhanden ist). Alles in allem: Stoff genug für einen Film von Emir Kusturica!




Noch zwei Pässe, noch ein (Berg)See (mit Sandstrand) und noch ein Kulturschock: Topaz Lake – South Lake Tahoe
Das mag nach Wiederholung der Vortage klingen, doch der Westen der USA wäre nicht der Westen, wenn alles jeden Tag etwas anders wäre… Also hat dieser Tag mit dem ersten Platten begonnen (glücklicherweise bemerkt vor dem losfahren) und wir waren heilfroh um den mitgenommenen Ersatzreifen. Dann war es deutlich weniger kalt als die letzten beiden Tage beim losfahren. Und es hatte viel mehr Verkehr auf dem 395er, den auch die Grillen nicht mehr übertönen konnten. So waren wir bald auf dem Simee Dimeh Summit und noch rascher unten im Carson Valley. Nach 40 km erreichten wir den Fuss der Bergkette, die wir auf dem Weg zum Tahoe Lake noch zu überqueren hatten. Der Aufstieg zum Daggett Summit windet sich über zahlreiche Serpentinen gut 700 Höhenmeter die extrem steile Bergflanke hoch und bietet eine spektakuläre Aussicht über das grüne Carson Valley. Kaum erreicht die Strasse den Pass, ist links und rechts alles mit Hotels, Ferienhäusern, Resorts, Lodges etc. zugebaut. Der Baustil reicht von Blockhaus bis Hotelkasten – manche Häuser könnten vom Stil her auch in balkanischen Skigebieten stehen (ob die Jugos den Amis abgeschaut haben oder umgekehrt lassen wir jetzt einmal offen) oder erinnern mit ihren glänzenden Blechdächern an den Baustil in rumänischen Mahalas – hier sind die Häuser einfach noch grösser. Die Ansammlung von Feriendomizilen übertrifft jedenfalls alles, was wir aus den europäischen Alpen kennen! Der Höhepunkt ist die Grenze zwischen Nevada und Kalifornien, an der unsere Unterkunft für die nächsten zwei Tage liegt. Auf der Strassenseite, die zu Nevada gehört, stehen vielstöckige Hotel-Casino-Klötze, unmittelbar daneben höchstens zweistöckige Gebäude in einem Blockhausstil, der etwas Gemütlichkeit verströmt.

Höhepunkte zwischen zwei Seen: Bridgeport – Topaz Lake
Nach der Sierra Nevada sind wir in der „Basin and Range“ genannten grossen Wüstenregion im Westen der USA angekommen. Unsere Start- und Zielorte liegen jeweils in einem Tal oder einer Senke an einem See und dazwischen überqueren wir jeweils einen grösseren Pass. Gestern war es mit dem Conway Summit (8138 ft.) der höchste Punkt des Hwy 395. Heute überquerten wir das nicht minder spekakuläre Devils Gate (7519 ft.). Die Täler und Senken sind an den untersten Stellen saftig grün, kein Wunder bei dem vielen Wasser, das aus den umliegenden Bergen in zahlreichen Bächen niederströmt. Sobald dies nicht mehr ausreicht, dehnt sich ein Meer von Büschen und Sträuchern aus. Die meisten davon sind Sagebrush, der sehr gut riecht. In höheren Lagen hat es Föhren/Pinien und Wachholder. Spannend ist, dass von dem Wasser kein Tropfen in ein Meer fliesst, sondern es endet alles in Wüstenseen, wo es verdunstet. So fuhren wir heute zunächst durch die grossen Weiden ausserhalb Bridgeports. Ca. 10 km und wenige Höhenmeter später radelten wir durch den Sagebrush. Erst auf der Passhöhe kam der wohlriechende Föhrenwald – und ein grauslicher Gegenwind! Die ersten 10 km der Abfahrt konnten wir gar nicht geniessen bis sich der Wind dann auf wundersame Weise in einen Rückenwind wandelte. So wurden die 30 km Abfahrt entlang des wilden West Walker River zu einem eindrücklichen Erlebnis. Unten in der Ebene dann wieder das gleiche Bild wie am Morgen beim Losfahren: Herden von schwarzen Rindern auf tiefgrünen Wiesen. Das heutige Motel erreichten wir kurz nach der Grenze zu Nevada. Also es ist eher ein Casino-Motel-Laden-Restaurant, mit Betonung auf Casino. Ohne die freundliche Mithilfe eines Angestellten, hätte ich die Rezeption nicht gefunden. Sie ist gut versteckt inmitten einer Unmenge von Spielautomaten! Wir haben uns von der Spielhölle nicht anstecken lassen und nach einem feinen Nachtessen die Abendstimmung am Topaz Lake genossen.



Hoch hinaus: Lee Vining – Tioga Pass
So, nun wissen unsere Velos endlich, woher ihre Lenker den Namen haben! Vom höchsten Pass, den sie je erklommen haben, dem Tioga Pass mit rund 3000 m.ü.M, dem Tor zum Yosemite Nationalpark. Die Strasse kurz nach Lee Vining ist für einen Moment abschreckend steil. 2 km später fragen wir uns, wie wir die rund 850 Höhenmeter erreichen, wenn wir so gemütlich dahinradeln können (gut, es ging scho es bitzeli ufwärts…). Kurz nachdem wir so richtig im Aufstieg waren, begann es wieder zu regnen. Diesen Aufstieg hatte ich mir bei der Planung schon etwas anders vorgestellt! Und überhaupt: Dauerregen in California (begonnen hatte es schon am Samstagabend – und bis Sonntag, ca. 10 Uhr durchgeschifft, dann sind wir gleich losgefahren) geht doch gar nicht! Was für ein Gegensatz zu den Tagen in der Mojave bei um die 40 Grad! Total durchnässt und trotz Handschuhen (!) etwas durchgefroren haben wir das Tioga Pass Resort (TPR) erreicht. Die haben auch erst vor 3 Tagen aufgemacht. Es ist wenig verwunderlich, dass noch nicht alles perfekt funktioniert – so gab’s vorerst kein warmes Wasser für die heiss ersehnte Dusche :-(. Bleibt also nur die Katzenwäsche und dann schauen wir uns bei einer heissen Suppe dem Schneetreiben vor unserer Cabin zu… (angesetzt hat der Schnee aber nicht).


Von Einsam über Gross zu Heiss: Lone Pine – Big Pine – Keough Hot Springs
Besonders viel los scheint in den Städten (alle haben weniger als 3000 Einwohner!) im Owens Valley nicht zu sein – auch bei der Namensgebung. Die einsame Sequoia die Lone Pine den Namen gegeben hat, steht nirgends mehr. Independence als Hauptort des Inyo County mit weniger als 700 Einwohnern hat nebst dem überdimensioniert erscheinenden Justizpalast aus den 1920er Jahren und ein paar Gefängnissen gar nichts zu bieten. Die grosse Sequoia, die Big Pine den Namen gegeben hat, steht reichlich verloren am Dorfausgang an der Kreuzung mit dem State Highway 168. Um das ganze etwas aufzupeppen haben sie ein paar Fahnenstangen und Tafeln hingestellt, was diesen Ort nicht wirklich bedeutsamer macht – allenfalls etwas patriotischer. Und dieser patriotische Lack hat die Gegend durchaus nötig, um die unrühmlicheren Kapitel zu verdecken, die diesen Landstrich kontaminieren. Vor Independence liegt mit Manzanar eines von 10 Lagern, in jenen im zweiten Weltkrieg Menschen einer bestimmten Herkunft interniert wurden; hier waren es Leute aus Japan. Diese Lager werden oft auch als US-Konzentrationslager bezeichnet; einen Vergleich, den ich ungerechtfertigt finde, denn es wurden hier ja nicht Leute systematisch umgebracht – im Gegensatz zu anderen Orten. Dass es aber bis 1992 gedauert hat, bis eine nationale Gedenkstätte errichtet wurde, mutet schon sehr seltsam an, grad auch wenn man sich die Menschenrechtspredigten von US-Offiziellen vor dem geistigen Ohr nochmals anhört. Oder Fort Independence: Von hier wurden in den 1870er Jahren rund 1000 internierte hiesige Indianer in ein anderes Fort verlegt. Eine Aktion die mehrere 100 nicht überlebt haben.
Das geht uns nochmals durch den Kopf, als wir im Pool der Keough Hot Springs die Wadenmuskeln von den letzten 80 km revitalisieren lassen. Dieses Thermalbad ist eine Nummer für sich. Es ist immer noch das Original von 1919, was man natürlich an jeder Ecke sieht. Da muss es den Vergleich mit Kanijza in der Vojvodina/Serbien oder Geogagiu Bai in Rumänien absolut nicht scheuen! Das Wasser kommt etwas heisser als badetauglich aus der Erde. Um es auf eine angenehmere Temperatur herunterzukühlen, wird es mit Hochdruck durch Feuerwehrdüsen ins Becken gespritzt. Das ergibt einen permanenten Starkniederschlag aus unterschiedlich temperiertem Thermalwasser. Ein einmaliges Badevergnügen!

PS: Diesen Beitrag habe ich abends um 8 in den Badehosen am Campingtisch bei einem angenehmen Lüftli geschrieben. WiFi auf dem ganzen Campingplatz ist schon cool 🙂
Grosses Kino: Ridgecrest – Olancha – Lone Pine
Zwei weitere heisse Tage in der Wüste: Gestern sind wir aus der Mojave rausgeradelt und haben uns bei einem kräftigen Gegenwind rauf ins Owens Valley gekurbelt. Als erstes haben uns die schnatternden Enten auf dem Little Lake begrüsst. Eine etwas unerwartete Begegnung, ebenso wie hier offenes Wasser anzutreffen, so mitten in Sand, Steinen und dürren Büschen.
In Olancha haben wir uns kurz nach Mittag im „Rustic Motel“ einquartiert. Es macht seinem Namen alle Ehre – das einzig nicht-rustikale ist wohl das WiFi. Die grossartige Szenerie der Sierra Nevada im Westen und der Inyo Berge im Osten, welche das Owens Valley begrenzen, sind umso eindrücklicher. Auf Fotos kann man die Wucht dieser Berge (und den Tiefen Taleinschnitt) allenfalls erahnen. Die wirklichen Dimensionen spürt man nur in natura. Am Abend ist das Motel jedenfalls voll besetzt. Und fast alle sind wieder auf den Beinen, als wir bei der ersten Dämmerung zu Frühstücken beginnen. Wir fahren um gut 5 Uhr los – es ist noch angenehm „nichtsowarm“. In Olancha wechselt das Landschaftsbild von einem Meter auf den andern. Die Buschsteppe geht in saftige Wiesen über und ein Bergbach sprudelt unter der Strasse hindurch. Die Ranchäuser stehen im Schatten riesiger Pappeln. Als nächstes führen wir uns vor Augen, was der Durst der Grossstadt Los Angeles einige 100 km stromaufwärts angerichtet hat. Wo noch vor gut 100 Jahren der Owens Lake glitzerte, liegt jetzt eine mehrheitlich staubige Ebene mit grünen Flecken und einzelnen Tümpeln. Wo früher die Schiffsanlegestationen waren, gibt es nur noch Gedenktafeln. Fast alles Wasser des Tales wird in einem doch recht dürftigen Kanal gefasst und fliesst nach Süden in Richtung LA.
Kurz nach halb acht erreichen wir die heutige Unterkunft in Lone Pine. Noch sind die wenigsten Gäste abgereist, kommen schon die neuen…. Wir packen ab und machen uns umgehend auf die Räder in die Alabama Hills. Lone Pine und seine Berge sind sozusagen die Hollywood-Filiale für Western (und wie wir gelernt haben auch ganz viele andere Filmgenres, die eine spektakuläre Bergszenerie als Ort ihrer Handlung brauchen). Über 400 Filme sollen seit den 1920er Jahren hier gedreht worden sein. Es waren also fast alle da, die in der Filmwelt Rang und Namen haben (mir persönlich hat nur Clint Eastwood gefehlt 😦 ). Im etwas vollgestopften filmgeschichtlichen Museum in Lone Pine sind von allen irgendwelche Originalgegenstände: Die Stiefel von John Wayne, der Klappstuhl, den Quentin Tarantino beim Dreh zu „Django unchained“ brauchte (inkl. dem von ihm verkritzelten Originaldrehbuch), das Auto, aus der Szene auf der Whitney Portal Road, die Humphrey Bogart in „High Sierra“ zum Durchbruch verhalf – kurzum: das Original von dem, was wir bisher nur von der Leinwand kannten. Ganz grossen Kino also. Manche Schauspieler waren so oft hier im Einsatz, dass sie für sich und ihre Familie ein Haus kauften. Dieses wurde dann in den Filmen kurzentschlossen gleich als Kulisse verwendet. Die Grenze zwischen Filmfiktion und Alltagsrealität verwischt sich. So auch in den Flurnamen: Der „Lone Ranger Canyon“ heisst jetzt der Realität der Alabama Hills so….
Im übrigen würde auch die Hauptstrasse von Lone Pine ohne allzuviele Umbauten eine hervorragende Westernkulisse hergeben. Wenn dann in der Nachmittagshitze die künstliche Welt des Films und die Realität des 21. Jahrhunderts ineinandergehen, ist ein kühles Bier in Jake’s Saloon die beste Idee. Wie damals im wilden Westen hinterlassen alle, die hier waren, auf einer 1$ Note einen kurzen Gruss an jene, die noch kommen werden. Es lohnt sich, hier einmal vorbeizuschauen!









