Chervonograd – Lubycza Kólewska

Das Hotel Shato (nicht Japanisch sondern Französisch) ist neu, gross und mit sehr gutem Restaurant, sowie Wellnessbereich und Angeboten ausgestattet. Wir haben kontinentales Frühstück bestellt und bekommen: zwei Spiegeleier auf getoasteter Semmelhälfte, Speck, Bratkartoffeln und Tomaten mit Feta und Kräutern. Sehr gut!

Auf der Strasse gegen Norden ist ein Mann mit seinem Einspänner unterwegs. Er singt laut vor sich hin und kommentiert unser Überholmanöver ausgiebig. Im Anstieg zum nächsten Hügel hören wir das Pferd hinter uns schnauben, sie jagen uns hinterher. Bei unserem Fotostopp, wir machen noch immer alle 10 Kilometer ein Bild, überholen sie uns, was wiederum ausgiebig und lautstark besprochen wird. Ich pflichte ihm bei, dass Langsamverkehr eine besondere Magie besitzt.

In den letzten Tagen haben wir ausführlich und immer wieder diskutiert, welchen Grenzübergang wir nehmen sollen. Selbstverständlich gehört auch dazu zu prüfen, ob man als RadfahrerIn überhaupt passieren darf. Kurz vor der Grenze machen wir Pause und geben noch ein paar Grifnas aus. Die Hinweisschilder am Strassenrand verstehen wir nicht, es ist alles ausschliesslich ukrainisch. Und wir haben überhaupt nicht damit gerechnet, dass die ersten beiden ukrainischen Grenzbeamten uns erklären, dass die Grenze für den Fussverkehr gesperrt wurde. Christian, der diese Situation schon mal erlebt hat, reagiert sofort und fragt die nach uns ankommenden Fahrzeuge, ob sie uns einladen. Es vergehen keine fünf Minuten und wir sitzen mitsamt der Velos und dem Gepäck in zwei verschiedenen Autos und passieren die erste Kontrolle.

Es stellt sich heraus, dass die Grenze wegen extensivem Zigaretten Schmuggel erst kürzlich (?) von Polen geschlossen wurde. Meine „Gastgeber“ (Schlepper?) sind eine Familie aus Vladimir. Sie sind unterwegs zum Einkaufen und fahren nachher wieder zurück. Da die Abfertigung an der Grenze sich über Stunden (!) dahinzieht, hätten wir viel Zeit uns auszutauschen. Sprachlich kommen wir leider nicht all zu weit.

Christian wartet auf einem Bänkli in einem kleinen Park im nächsten Ort, als ich endlich ankomme. Die ‚gewonnene‘ Stunde aus der Zeitverschiebung haben wir im Prozedere an der Grenze abgegeben. Wir essen zu Mittag und fahren endlich weiter.

Wir zweigen bald ab und folgen der Strasse gegen Westen. Auch auf der polnischen Seite ist die Getreideernte in Gang und ab und zu überholt uns ein leerer oder kreuzet uns ein beladener Lastwagen. Nach einigen lustigen Begegnungen, vereinzelten Regentropfen und weiteren rund 50 Kilometern im Sattel erreichen wir unser heutiges Ziel, beziehen ein chiques Zimmer und bekommen eine außergewöhnlich grosse Portion zum Znacht.

Wenn die Stille ein Geräusch ist: Brody – Chervonograd

82.2 km

Heute ist Sonntag. Es ist ruhig – sehr ruhig. Ausser ein paar noch müde kläffenden Hunden ist in Brody keiner auf den Beinen als wir losfahren. In der Luft liegen die letzten Gerüche der Grillfeste vom Vorabend.

Bei der Ankunft hatten wir nicht wahrgenommen, dass wir uns in einer topfebenen Sumplandschaft befinden. Und wir haben zum ersten Mal auf dieser Reise wirklichen Rückenwind. Wir kommen gut voran – durch die Wälder.

Das erste Dorf heisst Berlyn. Das Mosaik der Bushaltestelle zeigt zwei Hockeyspieler der Sbornaja am Werk – viele Bushaltestellen in der Ukraine sind mit aufwändigen Mosaiken verziert.

Es ist weiterhin still. Bei der zweiten Rast setzen wir uns hin und lauschen in die Stille. Fünf Minuten. Zweimal bellt ein Hund und einmal krakt eine Krähe. Sonst nichts. Wir werden uns danach sehnen.

Die dritte Rast machen wir in einem Wirthaus. Kaffee gibt es noch keinen. Nebenan hat grad der Gottesdienst begonnen. Er wird auch nach aussen übertragen. So haben alle etwas davon. Auch die, die zu spät auf einem quietschenden Fahrrad zu spät kommen. Zeit scheint hier keine Rolle zu spielen. 

Nach dem Mittagessen machen wir Siesta auf einer Parkbank. Chervonograd erreichen wir am frühen Nachmittag. Es ist ein Bergbaustadt. Das Hotel Shato ist neu, gross und luxuriös. Die Siesta geht weiter…

Sataniw – Ternopil – Brody

Im Sanatorium gibts um neun Uhr Frühstück: Spaghetti Suppe mit Milch, Reis mit Fleisch und Randensalat. Wir bestellen zwei Kaffee, Brot mit Butter und die Spaghetti Suppe…

Wir verlassen diesen umtriebigen und doch verlassenen Ort, machen im Laden im Dorf kurz Halt um Wasser und Lunch zu kaufen und finden uns bald auf einer einsamen Strasse gegen Norden. Zwei Radrennfahrer kommen uns entgegen. Die Löcher in der Strasse sind teilweise so tief, dass die wenigen Fahrzeuge auch mal quer zur Strasse darum herum kurven. Uns solls Recht sein: wir sind zwar auch langsam unterwegs, haben dafür mehr Zeit, den Wald (ein Naturpark) zu geniessen. Und wir haben es einfacher: uns reicht eine fünf Zentimeter breite Spur zwischen den Löchern. Es folgen wieder unzählige Hügel und abgelegene Dörfer.

In Skalat besichtigen wir den Samok, die Burg. Es gibt in der Gegend sehr viele Befestigungen, ein untrügliches Zeichen, dass hier einst Grenzen verliefen.

Kurz vor Ternopil zweigen wir in die Europastrasse E50 ein. Sie ist vierspurig ausgebaut. Beim Ortseingang stärken wir uns mit Cider und Chips. Dann machen wir uns auf die Suche nach dem Hotel. Es liegt direkt am Busbahnhof und neben dem grossen Markt. Die Stadt liegt an einem See, dort finden wir ein wunderbares Restaurant. Doch auch hier ist man nicht an Fremde gewöhnt. Unsere Versuche auf Englisch zu bestellen werden einfach übergangen und ignoriert. Egal ob wir Schweizerdeutsch, Englisch oder irgend eine Slawische Sprache versuchen, es kommt Ukrainisch in normal-sprech-tempo zurück. Also bleiben wir bei der Muttersprache, das scheint niemanden zu stören.

Blick zurück auf den Zamok (Schloss) und das Restaurant in Ternopil

Zu Ternopil gibt es nicht viel zu sagen. Das Zitat aus Wikipedia trifft es für mich auf den Punkt:

Auch wenn Ternopil malerisch an einem großen See liegt, ist es für westeuropäische Touristen infolge der vorangegangenen Kriegszerstörungen weitgehend uninteressant. 

Am Morgen brechen wir mit bepackten Velos auf, kaufen Früchte auf dem Markt und etwas Frückstücksähnliches an einem Stand. Am See setzen wir uns auf eine Bank. Während wir auf den trockenen Gebäcken herum kauen, fallen uns die vielen Polizisten auf der kleinen Insel vis-à-vis auf. Die Sprüche vergehen uns, als wir die leblose Person entdecken, die eingehend untersucht wird. Als der Leichenwagen vorfährt verlassen wir den Ort. Krimi zum Zmorge…

Wir finden bald die richtige Strasse und sind nach den ersten zwei Hügeln und der Querung der Nordumfahrung rasch wieder einsam unterwegs. Obwohl es heute kühler ist, weht ein starker Wind, leider ziemlich direkt von vorne. In Saliszi gibts Lunch. Später beobachten wir eine grosse Gruppe Störche. Ist das schon die Vorbereitung auf den Vogelzug?

Auf einem kupierten Abschnitt ist der Asphalt plötzlich fertig. Hinter der nächsten Kuppe dröhnt ein breites Ungetüm, das die Strasse aufreisst und den Kies wieder ausspuckt. Auf der schmalen verbleibenden Fahrspur drängt uns ein Lastwagen von der Strasse. Hupen und fahren, so geht das. Auch heute sind wieder viele Erntelastwagen unterwegs. Ausserhalb der Erntezeit sind diese Strassen noch viel ruhiger.

Wir sind schon in Brody, als die ersten Tropfen fallen. Bald entleert sich ein Wolkenbruch. Wir flüchten in eine überdachte Gartenbeiz und oh Wunder, werden freundlichst auf englisch bedient – obwohl wir samt Velo zwischen den Tischen stehen… Später bekommen wir hier auch einen feinen Znacht.

In Brody schalten wir einen Ruhetag ein.

Kamjanez-Podilskyj – Sataniw

Zum Tagwach singt ein Pirol. In der Nacht hat es geregnet. Trotzdem ist es noch immer schwül heiss. Wir frühstücken im Hotelzimmer und brechen früh auf. Zuerst müssen wir den Weg aus den Schlaufen dieses Canyon finden, das dauert. Als wir auf der Regionalstrasse Richtung Norden sind wird schnell klar, dass es ein einsamer Tag wird. Die paar wenigen Fahrzeuge fahren in der Mitte der Strasse, weil in den Fahrrinnen besonders viele Löcher sind. Wir tun es ebenso. Die Strasse führt durch Wälder, zwischen Feldern über Hügel und quert ab und zu einen Flusslauf. Waren wir gestern noch in einem Obstbaugebiet mit unendlich grossen Obstplantagen, so sind es heute Getreide, Sonnenblumen und Soja. Die einsame Tankstelle wir von zwei scharfen Hunden bewacht, die dafür sorgen, dass die Radfahrer fluchtartig weiter reisen.

Das erste Dorf wirkt ärmlich im Vergleich zu allen anderen Dörfern die wird gesehen haben. Im Laden ist das „unverpackt“ Konzept konsequent umgesetzt. Zum Glück gibt es hier keine scharfen Hunde. Dafür singt wieder ein Pirol.

Der Wind weht warm und unerbittlich. Das rauschen der Laubbäume begleitet uns den ganzen Tag.

Unvermittelt sind wir in einer grösseren Siedlung, die einen properen Eindruck hinterlässt. Auch nach der Ortausfahrt geht die Strasse einsam weiter. Die Erntelastwagen sind das untrügliche Zeichen, dass wir noch im dichtbesiedelten Europa sind.

Dann zweigen wir ab in Richtung Sataniw Sanatorium. Nach zwei weiteren Hügeln finden wir uns am Ende der Strasse in einer Ansammlung von neueren und älteren Hotels (offensichtlich ein Kurort), wiederum auf dem Boden eines Canyon und müssen suchen, bis wir endlich unsere Unterkunft gefunden haben. Passend zum Tag liegt das Hotel am Ende der Welt, einsam ist es hier allerdings nicht. Kinder spielen, Menschen spazieren, flanieren, schwatzen. Spannend!

Die Unterkunft in Sataniw

Czernowitz – Kamjanez-Podilskyj

Wir brechen früh auf, wobei früh heisst, dass wir in den (frisch gewaschenen) Velokleidern zum Frühstück erscheinen und dann losfahren. Auf dem Kopfsteinpflaster holpern wir langsam Stadt auswärts, vorbei am Friedhof, den ersten Hügel hoch und in einer steilen Abfahrt runter zur Brücke über die Prut. Es ist bereits heiss und es hat viel Verkehr.

Die Strasse wird breit, zwei Spuren richtungsgetrennt. Als es drei Spuren werden wird mir mulmig. Doch es handelt sich um die Bushaltestelle. Es folgt ein Fussgängerübergang über die sechsspurige „Autobahn“.

Wir fahren gegen Osten, quer zur Entwässerung. Das beutet, dass ein Hügelzug nach dem nächsten folgt. Die Strasse ist jetzt nur noch zweispurig, mal neu und breit ausgebaut, mal holprig und alt. Die Siedlungen werden seltener, was bleibt ist der Verkehr: laut rollt, scheppert und braust er an uns vorbei.

Nach rund 60 Kilometer erreichen wir Khotin am Steilufer des Dniester mit seiner Mittelalterlichen Burg. Wir machen Pause und ihr ahnt es schon: kaufen Souvenir.

Es wird immer heisser und feuchter. Und wir müssen noch einmal über einen ausgedehnten Hügelzug, bevor wir den Canyon vom Smotrych in Kamjanez-Podilskyj erreichen. Es gibt nur eine kurze Pause zum Duschen und Umziehen, dann entdecken wir diese eindrucksvolle Stadt, die Burg und den Canyon.

Burg von Kamjanez-Podilskyj vor der Gewitterwolke.

Kolomea – Czernowitz

Wir rechnen mit einem heissen Tag. Menschen eilen in die Kirche und finden zum Teil nur auf der Treppe vor der Tür Platz, während aus der offenen Tür der Gesang erklingt. Auf der Nationalstrasse N-10 ist noch wenig Verkehr. Wir kommen gut voran, halten wiedermal bei einer Tankstelle, dann bei einem kleinen Bistro. Dahinter ist ein Fussballfeld, es wird grad ein Spiel angepfiffen. Nach dem Seitenwechsel, der vermutlich nach 10 Minuten erfolgt, stürzen sich mehrer Zuschauer in ihre Trikots, es scheint ein ganzes Tournier gespielt zu werden.

Wir fahren weiter. Das Pruttal ist dicht besiedelt. Die langgezogenen Dörfer folgen direkt nacheinander. Wir queren einige Hügel, welche die seitlichen Zuflüsse der Prut abgrenzen und uns zwischendurch den Blick in die Weite öffnen.

Die Prut kurz vor Czernowitz

Rund 30 Kilometer vor Czernowitz entscheiden wir uns, auf eine Nebenstrasse auf der anderen Flussseite auszuweichen. Die N-10 würde in die Europäische Strasse E-85 münden, wer weiss, was uns da erwarten würde. Schon die Strasse über den Fluss holpert mehr als die letzten 100 Kilometer zusammen. Doch bald nach der Abzweigung ist Schluss mit Asphalt.

Es wird staubig, wir werden langsamer und es wir augenblicklich einsam. In einer Stunde begegnen wir nur noch drei Fahrzeugen. Ansonsten sind wir alleine mit den Vögeln und Insekten des Auenwaldes. Das nächste Dorf wirkt ursprünglich, doch auch hier gibts einen Laden, in dem man am Sonntagnachmittag ein Glacé kaufen kann.

Da wir uns von der selben Flussseite nähern ist von Czernowitz nichts zu sehen, bis wir am Ortseingang stehen. Die Stadt ist steil an den Hang gebaut. Es ist heiss und sehr laut. Wir finden unser Hotel schliesslich in der Fußgängerzone des ursprünglichen Städtchens. Und es fällt einem leicht, sich 120 Jahre zurück zu versetzen und sich mitten in der Donaumonarchie wieder zu finden.

Schiffhaus und Trolleybus
Ein junges Streichquartett spielt auf.

Zum Mittelpunkt Europas: Sighetu Marmatiei (RO) – Jassinija (UA)

81.1 km

Die letzten fünf Nächte haben wir in fünf verschiedenen Ländern verbracht: CH, AT, HU, UA, RO. Zeit, dass etwas Kontinuität in diese Reise kommt.

Das Hotel hat uns einen Voucher für das Frühstück abgegeben, wir entscheiden uns für einen Kaffee und Müesli mit frischen Früchten auf dem Balkon des Zimmers. Vor der Kaffeemaschine gesellt sich Luzia zu uns. Wir haben sie am Bahnhof in Debrecen (HU) beim Umsteigen kennen gelernt. Sie macht eine Reise durch Rumänien mit öffentlichen Verkehrsmitteln und hat in den letzten zwei Tagen schon viele Eindrücke gesammelt.

Dann geht es los, jedenfalls bis zum Laden auf der anderen Strassenseite: wir kaufen Wasser, fast das wichtigste beim Velofahren. Kurz danach stehen wir wieder an der EU Aussengrenze. Die Ausreise aus Rumänien verläuft zügig, dann geht’s über die Brücke. Wieder halten sich zahlreiche Menschen auf hier. Die Frage der Zollbeamten nach Zigaretten bekommt eine Bedeutung. Bei der Einreise in die Ukraine stellt der erste Beamte einen Zettel aus mit einer Zahl drauf. Sie betrifft die Grösse der Reisegruppe, heute steht eine 3 drauf!?! Die Frau hinter uns ist gleichfalls erstaunt, dass sie mit zwei dahergeradelten Fremden zusammen gehören soll. Sie nimmt uns die Pässe ab (!), nach kurzer Gegenwehr, und stellt sich bestimmt in die Reihe, zeigt unsere Pässe (wir stehen abseits und warten) und händigt uns die gestempelten roten Büchlein wieder aus. Wir bedanken uns, sie nimmt ihre Tasche unter den Arm und geht bestimmt des Weges. So geht das.

Der Tag ist geprägt von einer erstaunlich guten Strasse entlang des Oberlaufs der Theiss. Der Fluss ist zuerst noch breit und reissend. Entlang der Grenze ist am Strassenrand durchgehend Stacheldraht verlegt und alle paar hundert Meter steht oder geht ein Soldat. Dann kommen wir am geographischen Mittelpunkt von Europa vorbei! Wir erreichen Rakhiv und machen eine Pause. Nachdem das erste Café kein WC hatte, halten wir ausgangs Stadt nachmals an und trinken noch eine Kaffee.

Kurz nach dem Ort verzweigen die weisse und schwarze Theiss. Wir folgen der schwarzen Theiss, mehr und mehr ein Bergbach. Überall wo Autos am Strassenrand (oder ganz einfach mitten in der Strasse) halten, gibt es etwas Sehenswertes: zum Beispiel eindrucksvolle Wasserfälle. Es geht Stufe um Stufe aufwärts, bis wir Jassinija und das altehrwürdige Hotel Edelweiss erreichen. In diesem grossen, mehrstöckigen Blockhaus beziehen wir ein einfaches, gemütliches Zimmer.

Am geographischen Mittelpunkt Europas – vorne die Inschrift aus der KuK-Monarchie, hinten jene aus der UdSSR.

Zurück in die Karpaten

Immer wieder zieht es uns in die Karpaten. Wir haben sie schon von unterschiedlichesten Richtungen gesehen, durch- und überquert. Die höchste Erhebung der Karpaten, die Hohe Tatra haben wir ohne Velo besucht. Die zweithöchste Erhebung, das Fogarascher Gebirge (oder Făgăraș-Massiv) haben wir 2011 auf der Grossen Rumänien Runde auf der DN7C überquert. Damals startete die Reise im Osten von Ungarn, in Mátészalka, einem kleinen Ort, der mit der Bahn aus Wien gut erreichbar ist. Diesmal wollen wir ebenfalls in Mátészalka starten, nachher wird es aber in die Bukowina gehen und damit an den Ostrand der Donaumonarchie. Wir sind in den letzten Vorbereitungen und die Vorfreude wächst.

Hier geht es also bald weiter….

Schwörstadt (D) – Zürich (CH)

Wir starten zum Schlussspurt. Der nächtliche Regen hat für etwas Abkühlung gesorgt. Am ersten Teich beobachten wir einen schwarzen Schwan. Der Rheinradweg ist auf diesem Abschnitt nicht mehr so flach wie noch in Frankreich. Es ist jetzt häufiger der Fall, dass man etwas Höhe gewinnt und dann wieder abgibt. Unsere Beine sind zwar fit, aber die Hitze ist schon bald wieder drückend.

Der grosse Unterschied zu allen anderen Etappen ist heute, dass wir hier eine genaue Mentalmap der Gegend haben. Wir kennen jedes Dorf, resp. der Blick auf die andere Seite öffnet uns ständig die Sicht auf einen bekannten Ort: die vierfache Hochspannungsleitung nach Laufenburg, die Stadt und die zugehörige Brücke (mit dem falsch korrigierten Höhenversatz zwischen dem deutschen und dem schweizerischen Höhenmesssystem), das Kernkraftwerk, (von der Aare Mündung sehen wir nichts), der Turm vom Thermalbad Zurzach und die Altstadt von Kaiserstuhl.

Wir sind schon in Hohentengen. Und dann kommt die Abweizgung zum Kraftwerk und eine rassante Abfahrt. Wir sind am Kraftwerk Eglisau in Zweideln angekommen. Noch ein Halt für ein Eis im Riverside und dann stoppen die beiden Räder erst wieder auf der Garageneinfahrt, auf der sie vor drei Wochen gestartet sind.

Bilanz:

  1. Kein Schaden an Mensch und Velo, abgesehen von einigen Hautschürfungen (insbesondere hervorgerufen durch Brombeeren und Brennesseln in England) und akuten Verbrennungen aufgrund der übermässigen Sonnenstrahlung.
  2. Viele Stunden an der frischen Luft mit viel Bewegung.
  3. Viel Schlaf als Kompensation zur Anstrengung und
  4. unzählige Eindrücke, Begegnungen, Geschichten, die wir hier teilweise geteilt haben.

Danke für’s Mitlesen, es geht irgendwann weiter…